Einblick in den Alltag nach der Flucht

Katja Mast besucht minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in Gräfenhausen

 

Birkenfeld-Gräfenhausen Dlsher ist 17 Jahre alt und vor fünf Monaten aus dem irakischen Mosel nach Deutschland geflohen. Zusammen mit dem 16-jährigen Suleman und dem 17-jährigen Hamza - beide aus Syrien - sowie drei weiteren Jugendlichen wohnt er heute in der Jugendhilfeeinrichtung Kaira in Gräfenhausen. Sie werden dort rund um die Uhr von Erziehern betreut. Gestern besuchte die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast zusammen mit Sozialdezernentin Katja Kreeb und Jugendamtsleiter Wolfgang Schwaab das Haus. Sie kam mit den Jugendlichen ins Gespräch und verschaffte sich einen Einblick in den Lebensalltag nach der Flucht. Als Obfrau des Ausschusses für Arbeit und Soziales im Bundestag ist sie maßgeblich an der Formulierung des neuen Asylgesetzes beteiligt. 

Obwohl Dlsher erst fünf Monate hier is, spricht er schon sehr gut Deutsch. Im Irak hatte er elf Jahre lang Englisch in der Schule, was ihm den Einstieg erleichterte, Zusammen mit Hamza und Soleman geht er in eine Vorbereitungsklasse der Carlo-Schmid-Schule, die sich speziell an Migranten ohne Deutschkenntnisse richtet. Mit seiner Familie hält er übers Handy Kontakt. Sie haben ihn fortgeschickt, damit er nicht in den Krieg ziehen muss. Christen wie er haben im Irak aber auch ohne Krieg kein einfaches Leben. Seine Flucht dauerte 15 Tage, mit dem Flugzeug, im Boot und zu Fuß. "Das Leben hier ist anders, aber besser", sagt er heute. "Es gibt viele Regeln in Deutschland, und man hat deshalb nicht jeden Tag Probleme, wie zu Hause". In seiner Freizeit reitet er gerne und kümmert sich um Pferde. Er hat deutsche Freunde, vor allem im Fußballverein. Zurück in den Irak will er nicht.

Sein Freund Hamza kommt aus Rakka, er ist vor dem IS geflohen. Auch seine Familie hat in weggeschickt, weil es zu gefährlich ist: "Die Terroristen kommen dich holen. Wenn du nicht mitgehen willst, schneiden sie dir den Kopf ab", erzählt er. In Deutschland gefällt es dem jungen Moslem zwar gut, aber er hat Heimweg, vermisst Mutter und Schwester. Sobald der Krieg vorbei ist, möchte er sofort zurück nach Syrien, sagt er. Solange will er hier eine Ausbildung machen, vielleicht in einer Schreinerei.

"Aktuell haben wir 126 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Endkreis", sagt Katja Kreeb Drei Viertel davon seien über 16 Jahre alt. Rund die Hälfte seien in Einrichtungen wie Kairo untergebracht, die meisten anderen lebten bei Bekannten oder Verwandten in den Massenunterkünften. Die Jungs in Gräfenhausen haben es da vergleichsweise gut, sie müssen sich ihr Zimmer nur mit einer Person teilen. Die Unterbringung sei trotz sinkender Flüchtlingszahlen weiterhin schwierig, so Kreeb.